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Totalprothetik – Klinische Phasen und Systematik

1. Einleitung und Zielsetzung #

Wiederherstellung von Kaufunktion, Phonetik und Ästhetik beim zahnlosen Patienten. Das Ziel ist ein stabiler Prothesensitz durch Ausnutzung von Adhäsion, Kohäsion und atmosphärischem Druck (Ventileffekt).

2. Klinischer Phasenablauf #

2.1 Anatomische Abformung (Vorabformung) #

Abformung mit konfektionierten Löffeln und Alginat oder Knet-Silikon. Ziel: Darstellung der gesamten Prothesenbasis, der Umschlagfalte und der anatomischen Strukturen (Tuber, Trigonum retromolare, Gaumenfalten).

2.2 Funktionsabformung #

Verwendung von individuellen Löffeln. Vorgehen: Randgestaltung mit schwerfließendem Material (z.B. Kerr-Masse oder Heavy Body) unter Durchführung aktiver und passiver Funktionsbewegungen (Lippen-, Wangen- und Zungenbewegung). Finale Abformung mit dünnfließendem Silikon oder Polyäther zur Darstellung des Ventilrandes und der Ah-Linie.

2.3 Kieferrelationsbestimmung (Bissnahme) #

Festlegung der vertikalen Dimension (VDO) und der zentrischen Relation mittels Bissschablonen mit Wachswällen. Bestimmung der Lachlinie, Eckzahnlinie und Mittelebene.

2.4 Wachseinprobe #

Kontrolle der Aufstellung in statischer und dynamischer Okklusion, Prüfung der Phonetik (S-Laute) und der ästhetischen Einpassung (Lippenfülle).

2.5 Eingliederung und Nachsorge #

Kontrolle auf Druckstellen mittels Indikatorpaste. Instruktion zur Prothesenhygiene. Nachkontrolle nach 24-48 Stunden.

3. Troubleshooting #

  • Mangelnder Halt: Ursachen können ein zu kurzer Prothesenrand, eine falsche Lage der Ah-Linie oder Xerostomie sein.
  • Phonetische Probleme: Oft durch eine zu weit palatinal oder labial stehende Frontzahnaufstellung bedingt.