View Categories

Intraradikulärer Stiftaufbau (Glasfaser vs. Metall)

1. Biomechanische Grundlagen #

Ein Stift dient primär der Retention des Stumpfaufbaus bei weitgehendem Verlust der klinischen Krone (> 50%). Er verstärkt den Zahn nicht, sondern schwächt die Wurzel durch den notwendigen Substanzabtrag geringfügig.

2. Der Ferrule-Effekt (Fassreifen-Effekt) #

Entscheidend für die Prognose: Eine zirkuläre Fassung von mindestens 1,5 – 2,0 mm gesunder Zahnhartsubstanz oberhalb der Präparationsgrenze ist zwingend erforderlich, um Wurzelfrakturen durch Hebelkräfte zu vermeiden.

3. Klinischer Workflow (Glasfaserstift) #

  1. Kanalpräparation: Desobturierung der Guttapercha mittels Gates-Glidden oder thermisch. Ein apikaler Verschluss von mindestens 4 mm (Apical Plug) muss erhalten bleiben.
  2. Stiftbett: Kalibrierung des Kanals mit dem zum System passenden Erweiterer bei niedriger Drehzahl (ca. 1.000 RPM).
  3. Vorbehandlung: Reinigung des Kanals mit Alkohol/NaOCl. Ätzen des Kanaldentins mit Phosphorsäure (15s), Spülen, Trocknen mit Papierspitzen. Silanisieren des Stifts.
  4. Befestigung: Einbringen eines dualhärtenden Befestigungskomposits. Einsetzen des Stifts, kurzes Licht-Aktivieren und anschließender chemischer Durchhärtung Zeit geben.

4. Dokumentation #

Angabe von Stift-Typ, Größe und Länge des apikalen Inserts.