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Systematische Schmerzdiagnostik (Orofacialer Schmerz)

1. Anamnese und Schmerzcharakteristik #

Die präzise Einordnung des Schmerzes ist der Schlüssel zur Diagnose. Wir unterscheiden primär zwischen odontogenen und nicht-odontogenen Ursachen.

  • Provokation: Schmerz auf Heiß/Kalt (Pulpitis), Schmerz beim Aufbeißen (Apikale Ostitis/Fraktur), Schmerz im Liegen (Pulpitis purulenta).
  • Qualität: Stechend-lokalisiert (Initialstadium), dumpf-pochend (fortgeschrittene Entzündung), ausstrahlend (Neuralgien/Myopathien).
  • Dauer: Sekunden (reversible Pulpitis), Minuten/Stunden (irreversible Pulpitis).

2. Klinische Testverfahren (SOP) #

2.1 Sensibilitätsprüfung #

Standardmäßig mit CO2-Schnee (-78°C). Interpretation: Sofortige Reaktion und schnelles Abklingen (Physiologisch). Verzögerte, heftige Reaktion (Pulpitis). Keine Reaktion (Pulpanekrose). Wichtig: Bei Zähnen mit Metallkronen ggf. elektrischer Pulpatester (Digilog) zur Umgehung der thermischen Isolation.

2.2 Perkussions- und Palpationstest #

Vertikale Perkussion: Hinweis auf apikale Entzündung. Horizontale Perkussion: Hinweis auf parodontale Beteiligung. Palpation des Alveolarfortsatzes im Apex-Bereich: Prüfung auf Druckdolenz, Fluktuation (Abszess) oder Fistelgänge.

2.3 Lokale Anästhesie als Test (Differenzialdiagnose) #

Bei unklaren, ausstrahlenden Schmerzen kann eine selektive Anästhesie helfen, den verursachenden Quadranten oder Zahn einzugrenzen.

3. Röntgendiagnostik #

Einzelzahnaufnahme mit Halter (Rechtwinkeltechnik). Suche nach: Erweiterung des Parodontalspalts, apikalen Aufhellungen (Osteolysen), Sekundärkaries unter Restaurationen oder Einziehungen im Bereich der Bifurkation.

4. Nicht-odontogene Schmerzen (CMD & Neuralgien) #

Palpation der Kaumuskulatur (M. masseter, M. temporalis) und des Kiefergelenks. Ausschluss von Sinusitis maxillaris (Schmerz bei Vornüberbeugen des Kopfes).