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Endodontische Kanalsuche und Management komplexer Anatomien

1. Anatomische Grundlagen und Herausforderungen #

Misserfolge in der Endodontie resultieren oft aus unentdeckten Kanalsystemen. Besonders im Oberkiefer-Molar (MB2 in >80% der Fälle vorhanden) und im Unterkiefer-Inzisivus (zweiter Kanal lingual).

2. Technischer Workflow zur Kanaldarstellung #

2.1 Die Access-Cavity als Basis #

Die Zugangskavität muss groß genug gewählt werden, um alle Kanaleingänge ohne Sichtbehinderung darzustellen. SOP: Vollständige Abtragung des Pulpendaches (Dach-Überhänge entfernen). Der Boden des Pulpakavums dient als Orientierungskarte (Dentin-Roadmap).

2.2 Visualisierungshilfen #

  • Mikroskopie: Arbeiten unter 6- bis 25-facher Vergrößerung ist Goldstandard.
  • Methylenblau (Sourcing): Einbringen von Farbstoff in das Kavum; nach Ausspülen markiert der Farbstoff verbliebene organische Reste in Kanaleingängen und Isthmen.
  • Champagner-Test: Kavum mit NaOCl (5%) fluten. Die Reaktion mit organischem Material erzeugt Bläschen, die aus versteckten Kanälen aufsteigen.

2.3 Mechanische Erschließung #

Einsatz von Ultraschall-Endospitzen (z.B. Start-X #2 oder #3). Vorsichtiges Abtragen von verkalkten Dentinschultern über dem vermuteten Kanaleingang. Sondierung mit vorgebogenen ISO 06 oder 08 C-Pilot-Feilen.

3. Dokumentation und Forensik #

Sollte ein Kanal trotz Mikroskopeinsatz nicht auffindbar sein, muss dies exakt dokumentiert werden (Calzifizierung vs. Nicht-Existenz), um im Falle eines späteren Misserfolgs abgesichert zu sein.