1. Zielsetzung und Prinzipien #
Die Entfernung des Zahnes unter maximaler Schonung der vestibulären Knochenlamelle und der marginalen Gingiva. Dies ist essentiell für die spätere implantologische Versorgung (Socket Preservation).
2. Instrumentarium #
- Syndesmotome / Periotome: Zur Durchtrennung der suprakrestalen Fasern.
- Luxatoren: Dünne, scharfkantige Instrumente zur Erweiterung des Desmodontalspalts (nicht hebeln!).
- Bein’sche Hebel: Zur finalen Luxation.
- Zangen: Modellspezifisch (z.B. Bajonett für OK-8er, Kuhhornzange für UK-Molaren).
3. Klinischer Ablauf #
3.1 Vorbereitung #
Anästhesie und Prüfung der Schmerzausschaltung. Syndesmotomie: Ablösen der Gingiva vom Zahnhals zirkulär.
3.2 Luxation #
Einführen des Periotoms in den Sulkus. Unter leichtem Druck wird das Instrument entlang der Zahnwurzel geführt, um die parodontalen Fasern zu trennen. Erst wenn der Zahn eine klinische Beweglichkeit zeigt, wird die Zange angesetzt.
3.3 Extraktion #
Einsatz der Zange mit kontrollierten Bewegungen (Rotation bei einwurzeligen Zähnen, bukkal-oral bei mehrwurzeligen). Cave: Keine ruckartigen Bewegungen, um Wurzelfrakturen zu vermeiden.
3.4 Wundrevision #
Kürettage der Alveole mit dem scharfen Löffel (Entfernung von apikalen Granulomen). Nasen-Blas-Versuch: Obligatorisch bei Oberkiefer-Seitenzähnen zum Ausschluss einer Mund-Antrum-Verbindung (MAV).
3.5 Wundverschluss #
Kompression der Alveolarränder. Einlegen eines Kollagenschwammes (optional). Aufbiss auf Tupfer für 15-20 Minuten.
4. Komplikationen #
- Wurzelfraktur: Erfordert ggf. eine Osteotomie.
- Alveolitis sicca (Dry Socket): Zerfall des Blutkoagels. Therapie: Spülung und medikamentöse Einlage (z.B. Streifen mit Nelkenöl/Eugenol).
