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Endodontische Revision (Re-Endo)

1. Indikationsstellung und Erfolgsaussichten #

Die Revision ist indiziert bei persistierender apikaler Ostitis, unvollständiger Primärfüllung oder bei geplanter Neuversorgung eines Zahnes mit röntgenologisch insuffizienter Wurzelfüllung. Ziel: Vollständige Keimreduktion in Bereichen, die bei der Erstbehandlung nicht erreicht wurden.

2. Klinisches Protokoll (SOP) #

2.1 Zugang und Stiftentfernung #

Vollständige Kariesentfernung. Falls vorhanden: Entfernung von gegossenen Stiften mittels Ultraschall (Vibration ohne Wasser zur Hitzeübertragung auf den Zement) oder Glasfaserstiften mittels spezieller Revisions-Kits (Diamantbohrer zur zentralen Perforation).

2.2 Desobturierung (Entfernung der Guttapercha) #

  • Mechanisch: Einsatz von rotierenden Revisionsfeilen (z.B. ProTaper D1-D3). D1 (30/.09) für das koronal Drittel, D2 (25/.08) für das mittlere Drittel, D3 (20/.07) für den apikalen Bereich. RPM: 500-700.
  • Thermisch: Erweichen der Guttapercha mit erhitzten Pluggern (Heat-and-Cut).
  • Lösungsmittel: Gezielter Einsatz von Eukalyptusöl zur Auflösung von Resten in Isthmen. Cave: Nur tropfenweise anwenden, um das Dentin nicht zu stark zu kontaminieren.

2.3 Überwindung von Hindernissen (Ledges/Stufen) #

Häufige Komplikation der Erstbehandlung. Vorgehen: Manuelle Sondierung mit extrem vorgebogenen ISO 06/08/10 C-Pilot Feilen. Suchen des ursprünglichen Kanallumens unter dem Mikroskop. Ein ‘Pick’-Gefühl signalisiert den Weg am Hindernis vorbei.

2.4 Desinfektionsphase #

Verlängerte Einwirkzeit von NaOCl (5,25%). Obligatorische Ultraschallaktivierung (PUI), um den Biofilm mechanisch von den Kanalwänden zu lösen. Medikamentöse Zwischeneinlage mit Ca(OH)2 für mindestens 2 Wochen.

3. Forensik und Risiken #

Aufklärung über das erhöhte Risiko einer Perforation (Via Falsa) und Instrumentenfraktur aufgrund der Materialermüdung bei der Entfernung von altem Füllmaterial.