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Adhäsive Kompositrestauration im Seitenzahnbereich (Klasse I & II)

1. Indikation und klinische Voraussetzungen #

Indiziert bei cariosas Läsionen der Klassen I und II sowie beim Ersatz insuffizienter plastischer Restaurationen. Voraussetzung: Absolute Trockenlegung (Kofferdam) und eine Schmelzbegrenzung der Kavitätenränder für einen stabilen adhäsiven Verbund.

2. Instrumentarium und technische Parameter #

  • Präparation: Turbinen-Diamant (80 µm, 300.000-400.000 RPM) zur Initialtrepanation; Schnellläufer (Winkelstück 1:5, 40.000 RPM) mit Feinkorndiamant (40 µm) zur Formgebung.
  • Exkavation: Hartmetall-Rosenbohrer (Größe abhängig von Defektgröße, meist ISO 014-018) bei 2.000-5.000 RPM im grünen Winkelstück (1:1).
  • Handinstrumente: Heidemann-Spatel (schmal), Kugelstopfer (verschiedene Größen), anatomische Modellierinstrumente (z. B. Ash 6 oder P1), beschichtet mit Titannitrit zur Reduktion der Adhäsion des Komposits am Instrument.

3. Detaillierter klinischer Workflow #

3.1 Vorbehandlung #

Durchführung der Lokalanästhesie (Infiltrations- oder Leitungsanästhesie). Professionelle Reinigung des Zahnes mit fluoridfreier Bimssteinpaste zur Entfernung von Plaque und Pellikel. Farbbestimmung: Zwingend am feuchten Zahn vor Beginn der Exkavation (Dehydrierung führt zu Opazitätszunahme und Fehlbestimmung).

3.2 Präparation und Exkavation #

Minimalinvasive Eröffnung. Entfernung infizierten Dentins (Kriterium: Härte und Farbe, ggf. Unterstützung durch Caries-Detector). Schmelzränder werden im 45°-Winkel angeschrägt (Breite ca. 0,5-1,0 mm), um die Ätzfläche zu vergrößern und den Übergang optisch zu kaschieren. Ausnahme: Okklusale Kontaktpunkte (Gefahr von Randfrakturen).

3.3 Absolute Trockenlegung (Kofferdam) #

Applikation von Kofferdam (Heavy oder Medium Grade). Auswahl der Klammer (z.B. Ivory #7 für Unterkiefermolaren). Invertierung des Gummis im Sulkus mittels Spatel und Luftstrom. Sicherung mit Wedjets oder Ligaturen zur Vermeidung von Leckagen (Kontamination durch Sulkusfluid).

3.4 Matrizentechnik und Separation #

Einsatz von Teilmatrizen (z. B. Palodent V3, Garrison) in Kombination mit einem Komposit-Ring. Die Wahl des interdentalen Keils erfolgt so, dass eine leichte Separation (ca. 0,1 mm) erzielt wird, um die Materialstärke der Matrize auszugleichen und einen strammen Kontaktpunkt zu generieren.

3.5 Adhäsiv-Protokoll (Säure-Ätz-Technik) #

Anwendung von 37%iger Phosphorsäure. Vorgehen: Erst Schmelzränder (30s), dann Dentin (max. 15s). Gründliches Absprühen (30s). Trocknung: Schmelz matt-weiß, Dentin feucht-glänzend (Wet-Bonding). Applikation des Bondings (z. B. Universaladhäsiv): 20s aktives Einmassieren in die Dentintubuli. Verblasen des Lösungsmittels (Ethanol/Wasser) mit trockenem Luftstrom, bis der Adhäsivfilm unbeweglich ist. Lichtpolymerisation (>1000 mW/cm²) für 20s.

3.6 Schichttechnik (Inkrement-Management) #

Adaption einer dünnen Schicht Flow-Komposit (max. 0,5 mm) am Kavitätenboden zur Optimierung der Randadaptation. Aufbau der approximale Randleiste (Umwandlung Klasse II in Klasse I). Danach sukzessive Schichtung der Höckerabhänge in Inkrementen von max. 2 mm. Dies reduziert den C-Faktor und minimiert den Polymerisationsstress auf die Kavitätenwände.

3.7 Finieren und Politur #

Grobformgebung mit Feinkorndiamanten. Okklusionskontrolle mittels Shimstock-Folie (8 µm) in statischer und dynamischer Okklusion. Hochglanzpolitur in zwei Stufen: 1. Vorpolitur mit Silikonpolierern (z. B. rosa), 2. Hochglanz mit Diamant-imprägnierten Bürsten oder Pasten.

4. Komplikationen und Troubleshooting #

  • Postoperative Hypersensibilitäten: Oft Resultat von Überätzung, unzureichender Versiegelung der Tubuli oder unvollständiger Polymerisation.
  • Randspaltbildung: Durch zu große Inkremente oder mangelhafte Matrizenadaptation.
  • Bruch der Randleiste: Zu geringe Materialstärke oder okklusale Überlastung.