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Schwangerschaft und Stillzeit

Kritisch wegen potenzieller Risiken für das ungeborene Kind/den Säugling durch Medikamente, Röntgenstrahlen und Behandlungsstress. Physiologische Veränderungen bei der Mutter beeinflussen die Mundgesundheit und Behandlungstoleranz.

Schlüsselfragen & Vertiefung:

  • “Sind Sie schwanger oder besteht die Möglichkeit einer Schwangerschaft?”
  • “Wenn ja, in welcher Schwangerschaftswoche (SSW) befinden Sie sich ungefähr?”
  • “Gibt es bekannte Komplikationen oder handelt es sich um eine Risikoschwangerschaft?”
  • “Stillen Sie zurzeit Ihr Kind?”

Zahnärztliche Implikationen & Management:

  • Behandlungsplanung nach Trimenon:
    • 1. Trimenon (bis 12. SSW): Phase der Organentwicklung, höchste Empfindlichkeit. Nur absolut unaufschiebbare Notfallbehandlungen! Alle elektiven Eingriffe (Zahnsteinentfernung, Füllungen ohne Schmerzen etc.) verschieben.
    • 2. Trimenon (13.-27. SSW): Gilt als die sicherste Periode für notwendige zahnärztliche Behandlungen, die nicht bis nach der Geburt warten können (z.B. Behandlung schmerzhafter Karies, akuter Parodontitis).
    • 3. Trimenon (ab 28. SSW): Belastung für die Mutter steigt. Risiko des Vena-cava-Kompressionssyndroms (Supine Hypotension Syndrome) bei reiner Rückenlage durch Druck des Uterus auf die untere Hohlvene -> Kreislaufprobleme. Lagerung anpassen: Linksseitenlage oder Oberkörper deutlich erhöht lagern. Erhöhtes Risiko für vorzeitige Wehen durch Stress oder Infektionen. Wieder nur dringende Behandlungen durchführen.
  • Medikamentenauswahl:Maximale Vorsicht und strenge Indikationsstellung! Immer Nutzen gegen potenzielles Risiko abwägen. Aktuelle Fachinformationen und spezialisierte Ressourcen (z.B. www.embryotox.de der Charité Berlin) konsultieren und/oder Rücksprache mit dem behandelnden Gynäkologen/Arzt!
    • Lokalanästhetika: Articain und Lidocain (mit Adrenalin-Zusatz in üblicher zahnärztlicher Dosierung) gelten als Mittel der Wahl und relativ sicher. Dosis so gering wie möglich halten. Langsam injizieren, aspirieren. Prilocain (ggf. mit Felypressin) eher meiden (theoretische Risiken).
    • Analgetika: Paracetamol ist das Mittel der ersten Wahl in allen Phasen. NSAIDs (Ibuprofen, Diclofenac etc.) sollten v.a. im 3. Trimenon vermieden werden (Risiko des vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus Botalli beim Fetus, Wehenhemmung, Nierenfunktionsstörung). Metamizol nur bei sehr strenger Indikation. Opioide nur kurzzeitig und nach strenger Abwägung.
    • Antibiotika: Penicilline (Amoxicillin), Cephalosporine und Erythromycin (außer Estolat-Form) gelten als relativ sicher und sind Mittel der Wahl bei entsprechender Indikation. Kontraindiziert/zu vermeiden: Tetracycline (Zahnverfärbungen, Knochenwachstumsstörung beim Kind), Chinolone (Gelenkknorpelschäden im Tierversuch), Metronidazol (im 1. Trimenon relativ kontraindiziert), Cotrimoxazol. Clindamycin nur bei strenger Indikation.
  • Röntgen: Diagnostisches Röntgen im Dentalbereich hat eine sehr geringe Strahlenbelastung, insbesondere mit moderner digitaler Technik. Dennoch gilt das ALARA-Prinzip (As Low As Reasonably Achievable). Röntgenaufnahmen nur bei zwingender Indikation anfertigen, wenn die Information für eine unaufschiebbare Behandlung notwendig ist und nicht anders gewonnen werden kann. Immer optimale Schutzmaßnahmen: korrekter Sitz der Bleischürze mit Schilddrüsenschutz.
  • Orale Veränderungen in der Schwangerschaft:
    • Schwangerschaftsgingivitis: Hormonell bedingte (Östrogen, Progesteron) erhöhte Entzündungsreaktion des Zahnfleisches auf Plaque. Zahnfleisch ist oft geschwollen, gerötet, blutet leicht. Bei guter Mundhygiene meist moderat.
    • Epulis gravidarum (Gestationsgranulom): Gutartige, oft gestielte, rötliche Wucherung des Zahnfleisches, meist im Oberkiefer-Frontzahnbereich. Bildet sich nach der Geburt oft zurück. Entfernung nur bei starker funktioneller Beeinträchtigung.
    • Erosionen: Bei starkem Schwangerschaftserbrechen (Hyperemesis gravidarum) durch Magensäure.
  • Management oraler Veränderungen: Intensive Mundhygieneinstruktion und -motivation. Regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR) ist sicher und empfohlen. Bei Erbrechen: Mund nur mit Wasser oder fluoridierter Mundspüllösung ausspülen, mit dem Zähneputzen ca. 30-60 Min. warten (Schmelz ist säure-erweicht). Fluoridhaltige Zahnpasta verwenden.
  • Stillzeit: Viele Medikamente treten in die Muttermilch über. Sicherheit für den Säugling muss geprüft werden (z.B. via Embryotox). Lokalanästhetika (Articain, Lidocain), Paracetamol, Ibuprofen (kurzzeitig), Penicilline, Cephalosporine gelten i.d.R. als mit dem Stillen vereinbar. Bei Unsicherheit immer nachschlagen/Rücksprache halten.

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