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Knochen-stoffwechsel

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Extrem hohe Relevanz aufgrund des Risikos der Medikamenten-assoziierten Kiefernekrose (MRONJ)! Beeinflusst die Knochenheilung und die Planung invasiver Eingriffe (v.a. Extraktionen, Implantate).

Schlüsselfragen & Vertiefung:

  • “Wurde bei Ihnen Osteoporose (Knochenschwund) festgestellt?”
  • Kernfrage: “Nehmen Sie Medikamente gegen Osteoporose oder gegen Knochenkrebs/Knochenmetastasen ein, oder haben Sie solche Medikamente als Spritze oder Infusion bekommen?”
  • Gezielte Nachfrage nach Wirkstoffgruppen/Präparatenamen:
    • Bisphosphonate: Fragen Sie nach Präparaten, die auf “-dronat” enden (Alendronat/Fosamax®, Risedronat/Actonel®, Ibandronat/Bonviva®, Zoledronat/Zometa®/Aclasta®).
    • Denosumab: Fragen Sie nach Prolia® (Osteoporose, 6-monatige Spritze s.c.) oder Xgeva® (Onkologie, monatliche Spritze s.c.).
  • Details bei Einnahme: “Wenn ja: Welches Medikament genau? In welcher Form (Tablette, Spritze, Infusion)? Seit wann nehmen Sie es (oder von wann bis wann haben Sie es genommen)? Warum wurde es verordnet (Osteoporose-Prophylaxe/-Therapie oder wegen einer Krebserkrankung)?”

Zahnärztliche Implikationen & Management:

  • Medikamenten-assoziierte Kiefernekrose (MRONJ / ARONJ):
    • Definition: Ein Bereich freiliegenden, nekrotischen Knochens im Kieferbereich, der über 8 Wochen nicht abheilt, bei Patienten unter antiresorptiver (oder antiangiogener) Therapie, ohne dass eine Bestrahlung im Kieferbereich stattgefunden hat.
    • Pathomechanismus: Hemmung der Osteoklasten -> reduzierter Knochenumbau -> gestörte Mikroschädigungsreparatur und verminderte Fähigkeit zur Wundheilung/Infektabwehr, v.a. nach Traumata wie Extraktionen. Antiangiogene Effekte (bei manchen Substanzen) können Durchblutung zusätzlich stören.
    • Auslöser: Meist dentoalveoläre Eingriffe (Extraktionen ~70%), aber auch spontan oder durch Prothesendruckstellen möglich.
    • Risikofaktoren: Medikament (IV > oral), Therapiedauer (Risiko steigt nach 3-4 Jahren oraler Einnahme deutlich), Grunderkrankung (Onkologie > Osteoporose), Begleitmedikation (Steroide), Komorbiditäten (Diabetes), Rauchen, schlechte Mundhygiene, invasive zahnärztliche Eingriffe.
    • !! Prävention ist ALLES !!:
      • Vor Therapiebeginn (v.a. IV / onkologisch): Zwingend zahnärztliche Untersuchung und Sanierung! Alle Zähne mit fraglicher Prognose oder Infektionsherde (tiefe Karies, apikale Ostitis, schwere Parodontitis) sollten vorher entfernt/behandelt werden. Professionelle Zahnreinigung. Instruktion zur optimalen Mundhygiene.
      • Während der Therapie: Regelmäßige Kontrollen (alle 3-6 Monate), PZR, konsequente Mundhygiene aufrechterhalten. Invasive Eingriffe (Extraktionen, Implantate, PA-Chirurgie, apikale Resektionen) möglichst vermeiden! Zahnerhalt hat oberste Priorität (konservierende, endodontische, ggf. prothetische Versorgung). Wenn Extraktion unvermeidbar: Möglichst atraumatisch, plastische Deckung (primärer Wundverschluss), Antibiotika-Abschirmung (Beginn präoperativ, Fortführung postoperativ – z.B. Amoxicillin oder Clindamycin), engmaschige Nachkontrolle. Umfassende Aufklärung des Patienten über das MRONJ-Risiko ist Pflicht!
    • Management der MRONJ: Gehört in erfahrene Hände (MKG-Chirurgie, Oralchirurgie)! Meist konservativ (Mundspülungen, Antibiotika bei Infektion), ggf. chirurgische Sequestrektomie.
  • Implantologie: Antiresorptiva-Einnahme (v.a. IV, lange Dauer) ist eine relative bis absolute Kontraindikation für Implantate. Erhöhtes Risiko für Implantatverlust und MRONJ. Nur nach sehr strenger Indikationsstellung, umfassender Aufklärung und idealerweise in Absprache mit dem Verordner.

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