Lektion 24: Schritt 4 – Die unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT) – Das Fundament des Langzeiterfolgs
A. Klinische Relevanz
Die aktive Parodontitis-Therapie (Schritte 1-3) ist nur der Anfang. Sie setzt den Zustand des Patienten auf “Null” zurück, eliminiert aber nicht die chronische Natur der Erkrankung oder die individuelle Anfälligkeit des Patienten. Die Unterstützende Parodontitis-Therapie (UPT), auch als parodontale Erhaltungstherapie bekannt, ist die lebenslange, systematische Nachsorge, die darauf abzielt, ein Rezidiv der Krankheit zu verhindern. Sie ist der wichtigste Faktor für den langfristigen Erhalt der Zähne nach einer Parodontitis-Behandlung. Ohne eine konsequente UPT ist der Misserfolg der aktiven Therapie und der erneute Attachmentverlust nahezu vorprogrammiert.
B. Detailliertes Fachwissen
1. Definition und Ziele der UPT Die UPT ist ein individualisiertes, kontinuierliches Programm zur Überwachung und Behandlung von Parodontitis-Patienten nach Abschluss der aktiven Therapie.
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Ziele:
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Prävention von Rezidiven: Verhinderung des Wiederaufflammens der Krankheit.
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Früherkennung: Rechtzeitige Diagnose und Behandlung neuer oder wiederkehrender Krankheitsaktivität.
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Erhalt des Attachmentlevels: Stabilisierung des nach der Therapie erreichten klinischen Zustands.
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Prävention von Zahnverlust.
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Kontinuierliche Motivation und Re-Instruktion des Patienten.
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2. Die Komponenten einer UPT-Sitzung Eine UPT-Sitzung ist mehr als eine professionelle Zahnreinigung. Sie ist ein strukturierter Termin zur Neubewertung und Behandlung.
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Anamnese-Update: Aktualisierung der medizinischen und zahnärztlichen Anamnese, Abfrage von Veränderungen bei Risikofaktoren (z.B. Raucherstatus, Diabetes-Einstellung).
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Befunderhebung (Monitoring): Eine vollständige parodontale Untersuchung zur Neubewertung:
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Erhebung der Sondierungstiefen (ST) und Blutung auf Sondieren (BOP) an allen Zähnen.
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Vergleich der aktuellen Werte mit den Werten der letzten Re-Evaluation (dem “Baseline”-Befund nach der Therapie).
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Diagnose und Risiko-Neubewertung: Beurteilung der parodontalen Stabilität. Liegen stabile Verhältnisse vor oder gibt es Anzeichen für ein Krankheitsrezidiv an einzelnen oder mehreren Stellen?
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Mundhygiene-Re-Instruktion: Anfärben und Visualisierung des Biofilms. Gezielte Korrektur und Re-Motivation der häuslichen Mundhygiene.
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Therapie: Professionelle mechanische Reinigung supra- und subgingival, insbesondere an den Stellen, die Entzündungszeichen (BOP) oder vertiefte Taschen aufweisen.
3. Die Bestimmung des individuellen UPT-Intervalls Das Recall-Intervall wird risikoadaptiert festgelegt und ist nicht für jeden Patienten gleich.
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Grundlage: Die Einschätzung des Rezidiv-Risikos basiert auf dem initialen Schweregrad (Stage), der Progressionsrate (Grade) und der nach der Therapie erreichten Stabilität (Anzahl der Resttaschen, BOP-Score, Patienten-Compliance).
4. Management von Rezidiven Wenn bei einer UPT-Sitzung eine oder mehrere Stellen eine signifikante Verschlechterung zeigen (z.B. Zunahme der ST um ≥2mm mit BOP), liegt ein lokales Rezidiv vor.
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Therapie: An diesen Stellen wird eine erneute, intensive subgingivale Instrumentierung (Re-SRP) durchgeführt, eventuell unterstützt durch lokale Antibiotika (LDD). Das UPT-Intervall wird ggf. verkürzt.
C. Klinische Anwendung & Fallbeispiele
UPT als Teamaufgabe: Die UPT wird oft von spezialisierten Dentalhygienikerinnen durchgeführt. Die finale Befundung, Diagnosestellung und Therapieentscheidung bei Rezidiven bleibt jedoch immer die Verantwortung des Zahnarztes.
Patientenkommunikation: Der Patient muss von Anfang an verstehen, dass die Parodontitis eine chronische Krankheit ist, vergleichbar mit Diabetes oder Bluthochdruck. Sie kann kontrolliert, aber nicht endgültig “geheilt” werden. Die UPT ist die lebenslange “Medikation”, die notwendig ist, um die Krankheit in Schach zu halten.
Fallbeispiel:
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Szenario: Ein 50-jähriger Patient, Raucher, wurde wegen einer “Generalisierten Parodontitis, Stadium III, Grad C” erfolgreich behandelt. Bei der Re-Evaluation war sein Zustand stabil, mit nur wenigen 5mm-Resttaschen.
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Analyse: Aufgrund des initialen Befundes und des fortbestehenden Risikofaktors (Rauchen) wird der Patient als Hochrisikopatient eingestuft.
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Klinische Konsequenz & UPT-Plan:
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Intervall: Der Patient wird in ein straffes 3-monatiges UPT-Recall-Programm aufgenommen.
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Ablauf einer UPT-Sitzung (z.B. nach 2 Jahren):
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Befund: Bei der routinemäßigen Befunderhebung zeigt sich, dass die meisten Stellen stabil bei 3-4 mm liegen. An Zahn 16 distal ist die Sondierungstiefe jedoch von 5 mm auf 7 mm angestiegen und die Stelle blutet stark.
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Diagnose: Generalisiert stabile parodontale Verhältnisse bei einem UPT-Patienten, mit einem lokalisierten Krankheitsrezidiv an Zahn 16 distal.
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Therapie:
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Der Patient wird auf die Problemstelle hingewiesen und die Reinigung dort re-instruiert.
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Nach der allgemeinen PZR wird die 7-mm-Tasche an Zahn 16 unter Lokalanästhesie gezielt erneut subgingival debridiert (Re-SRP).
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Ergebnis: Das engmaschige UPT-System hat das Wiederaufflammen der Krankheit an einer Stelle frühzeitig erkannt. Durch die sofortige Intervention konnte die Progression gestoppt und ein größerer Schaden verhindert werden. Dies demonstriert perfekt die Funktion der UPT als aktives Langzeit-Management-System.