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Infektions-krankheiten

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Schutz von Personal und anderen Patienten vor Übertragung (Standardhygiene!), Erkennen oraler Manifestationen, Berücksichtigung eines ggf. geschwächten Immunsystems.

Schlüsselfragen & Vertiefung:

  • “Hatten Sie jemals eine Hepatitis (Gelbsucht)? Wissen Sie, welcher Typ (A, B oder C)?”
  • “Sind Sie mit HIV (dem AIDS-Virus) infiziert?”
  • “Wurden Sie gegen Hepatitis B geimpft?” (Wichtig für Eigenschutz/Risikobewusstsein des Behandlers!).
  • “Hatten Sie jemals Tuberkulose (TBC)?”
  • “Leiden Sie häufig unter Fieberbläschen/Lippenherpes (Herpes simplex)? Hatten Sie schon einmal eine Gürtelrose (Herpes zoster)?”
  • “Sind Sie Träger von multiresistenten Keimen (z.B. MRSA)?” (Relevant v.a. bei Krankenhausaufenthalten oder Pflegebedürftigkeit).
  • “Gibt es andere Infektionskrankheiten, von denen wir wissen sollten?”

Zahnärztliche Implikationen & Management:

  • Universelle Standardhygienemaßnahmen: Dies ist der wichtigste Punkt. Gehen Sie bei jedem Patienten davon aus, dass er potenziell infektiös sein könnte. Strikte Einhaltung ist nicht verhandelbar:
    • Konsequente Händehygiene (Waschen, Desinfizieren).
    • Tragen von persönlicher Schutzausrüstung (PSA): Handschuhe (wechseln!), Mund-Nasen-Schutz (idealerweise FFP2), Schutzbrille/Visier, ggf. Schutzkittel.
    • Aufbereitung von Medizinprodukten (Reinigung, Desinfektion, Sterilisation) nach validierten Verfahren (RKI-Richtlinien!).
    • Sorgfältige Flächendesinfektion.
    • Sicheres Handling von spitzen/scharfen Instrumenten (Abwurfbehälter).
  • Spezifische Erreger:
    • Hepatitis B/C, HIV: Bei Einhaltung der Standardhygiene besteht kein erhöhtes Übertragungsrisiko im normalen Praxisbetrieb. Die Kenntnis des Status ist für die Interpretation oraler Befunde (s.u.) oder das Management nach Nadelstichverletzungen relevant. Strikte Vertraulichkeit!
    • Tuberkulose (TBC): Patienten mit offener, ansteckungsfähiger Lungentuberkulose dürfen nur im Notfall und unter besonderen Schutzmaßnahmen (Isolierzimmer mit Unterdruck, Atemschutzmasken FFP2/3) behandelt werden. Elektive Behandlungen müssen bis zur Therapie und bestätigten Nicht-Infektiosität verschoben werden! Eine latente TBC ist nicht ansteckend.
    • Herpes Simplex Virus (HSV): Bei aktiven, nässenden Herpesläsionen (Lippe, Mundschleimhaut) sollten elektive Behandlungen wegen hoher Ansteckungsgefahr (direkter Kontakt, Aerosol) verschoben werden. Gefahr der Autoinokulation (Verschleppung auf Augen etc.) oder Infektion des Personals (Herpes whitlow). Bei häufigen Rezidiven ggf. antivirale Prophylaxe erwägen (Arztrücksprache).
  • Orale Manifestationen: Achten Sie auf mögliche Anzeichen systemischer Infektionen im Mund (z.B. Candidose [Soor], orale Haarleukoplakie, Kaposi-Sarkom, lineare Gingivitis bei HIV/Immunschwäche; spezifische Ulzera; etc.).
  • Immunschwäche: Bei Patienten mit relevant eingeschränktem Immunsystem (z.B. fortgeschrittenes HIV, Chemotherapie, Immunsuppression nach Transplantation) ist das Risiko für opportunistische Infektionen im Mund erhöht, die Wundheilung kann verzögert sein, ggf. ist eine Antibiotikaprophylaxe bei invasiven Eingriffen sinnvoll (individuell entscheiden!).

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